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Gitarrist Ingo Neuber im Gespräch mit dem HardHarderHeavy Magazine, 19.02.2012

Es ist schön zu sehen, dass es nach wie vor auch junge Bands gibt die ihre stilistischen Wurzeln in den Achtzigern haben. Wenn dann direkt das Debüt-Album auch noch dem Hörer so richtig musikalisch in den Hintern tritt und jeder Song ein Kracher ist ja dann ist es an der Zeit die Musiker mit Fragen zu löchern. Und wenn man Glück hat wird die Interview Anfrage vom Bandkopf, Songwriter und Gründungsmitglied der Band persönlich freundlich beantwortet. So geschehen bei Headless Beast, Ingo Neuber der Gitarrist sagte spontan zu und nahm sich Zeit für HardHarderHeavy.

HardHarderHeavy fragte...

Hallo und Glückwünsche zu Eurem Debüt Album FORCED TO KILL. Das Album hat nicht nur bei HardHarderHeavy sondern durch die Bank sehr gute Kritiken und viel Lob bekommen. Ich habe mal kurz im Internet geschaut und überhaupt keine negative Kritik entdecken können. Hattet Ihr damit gerechnet, dass die Scheibe dermaßen positiv aufgenommen wird?

Vielen Dank! Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es freut uns wie viel positive Reaktionen wir auf FORCED TO KILL bekommen haben. Wir waren zwar von unserem Songmaterial überzeugt und wussten das die Produktion sehr gut geworden ist. Aber dass unser Album dermaßen positiv aufgenommen wurde, hat uns selbst überrascht.

Der klassische Metal im Stil der guten alten Achtziger ist ja ohnehin wieder sehr angesagt. War Euch das bewusst und hat Euch das, vielleicht auch nur unterbewusst, beim Songwriting beeinflusst oder ist FORCED TO KILL ganz einfach genau in dem Stil gehalten der Eurem Musikverständnis entspricht?

FORCED TO KILL ist einfach genau in dem Stil gehalten, der unserem Musikverständnis entspricht. Wir mögen alle den klassischen Heavy Metal der 80er und waren diesem Musikstil immer treu geblieben - auch in Zeiten wo diese Art von Musik völlig Out war. Beim Songwriting wurden wir von keinerlei Trends beeinflusst und haben auch nicht darauf geachtet, was gerade angesagt ist und was nicht.

Alles Gute kommt irgendwann wieder, sagt der Volksmund. Wie ich gerade angeführt habe, besinnen sich viele Bands der Blütezeit des Heavy Metal und spielen inzwischen in diesem 80er Stil. Was meint Ihr woran liegt das? Ist es die Abkehr von immer aufwändigeren Arrangements, immer komplexeren Songs hin zu den ursprünglichen Elementen die den Metal ausmachen. Eben gute knackige Songs, heftige Riffs, donnernde Drums, mit einem Wort Musik die unter die Haut geht? Ist inzwischen eine Generation nachgewachsen die die Schnauze voll hat von Disco Tralala, Rap und Hip- Hop Monotonie? In der Kochkunst (gewagter Vergleich, ich weiß) gibt es schon lange eine ähnliche Bewegung die Nouvelle Cuisine, hin zu bodenständigerer Kochkunst. Oder um bei der Musik zu bleiben: It`s only Rock´n` Roll but I like it!

Es ist richtig, dass sich momentan viele Bands wieder auf den Heavy Metal in seiner ursprünglichen Form zurück besinnen. Ich denke dies liegt daran, dass auf der einen Seite eine neue Generation von Metal begeisterten jungen Leuten herangewachsen ist, die auch den traditionellen Metal - so wie er in den 80er Jahren gespielt wurde - wieder neu für sich entdeckt. Auf der anderen Seite wurden bei vielen etablierten Acts wie z.B. IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder auch METALLICA die Songstrukturen immer komplexer, die Songs immer weniger eingängig und mit allem möglichen total überfrachtet. Damit haben diese Acts zwar gezeigt, dass sie perfekte Musiker und tolle Techniker sind, aber der Spaß und die Attitüde sind dabei irgendwann verloren gegangen. Dabei geht es aber schließlich im Heavy Metal. Songs die auf den Punkt kommen und rocken. Das merken auch die Fans und die jungen Musiker. Deshalb meine ich das dies auch der Grund für die derzeitige Rückbesinnung auf die 80er ist.

Wie seit Ihr auf die Idee mit dem Bandnamen gekommen? Die Geschichte vom kopflosen Reiter stammt ja ursprünglich aus Deutschland und wurde vom Schriftsteller Washington Erving abgewandelt und dann 1999 von Regisseur Tim Burton für den Film Sleepy Hollow verwendet. Hat Euch der Film da irgendwie inspiriert? Da gibt es auch noch das Album der australischen Band Pegazus mit dem Titel THE HEADLESS HORSEMAN, es scheint also im Heavy Metal ein beliebtes Thema zu sein.

Bis 2004 nannten wir uns BEASTS OF BOURBON. Kurz bevor wir unsere NEVER TOO LATE EP veröffentlichen wollten entdeckten wir jedoch, dass eine australische Band unter gleichen Namen bereits exisitierte. Nachdem diese bereits für die ROLLING STONES und PINK FLOYD eröffnet hatten, war es notwendig geworden, uns einen neuen Bandnamen zu geben. Aus diesem Grund setzten wir uns zusammen und machten ein Brainstorming bei dem ca. 120 Namensvorschläge herauskamen. Nach einer immer engerern Eingrenzung wurde schliesslich in einer Abstimmung der Name HEADLESS BEAST als neuer Bandname ausgewählt. Wir fanden alle den Namen gut, da zum einen das Wort BEAST noch erhalten blieb und zum anderen weil er sich bei Konzerten gut rufen lässt. Auf die Geschichte mit dem kopflosen Reiter bin ich erst später eines Abends vor dem Fernseher aufmerksam geworden, als ich den Film »Sleepy Hollow« sah. Die Figur des kopflosen Reiters in dem Film, war die perfekte Visualisierung unseres Bandnamens. Ich war sofort Feuer und Flamme. Deshalb befindet sich der kopflose Reiter auch auf unserem Frontcover von FORCED TO KILL. Die Thematik der Geschichte des kopflosen Reiters, wird auch in zwei unserer Songs behandelt. Ausserdem kann man dabei den Namen HEADLESS BEAST einerseits auch so interpretieren, dass er für die Figur des kopflosen Reiters steht, aber andererseits auch symbolisch für die oftmals kopflos handelnde Menschheit. Er stellt hierfür das perfekte Symbol dar.

Das Cover Artwork habt Ihr euch von Markus Vesper malen lassen. Der Künstler Markus Vesper ist selber bekennender Metal Fan und hat bereits eine ganze Reihe an Alben Cover gestaltet. Da wart Ihr in guten Händen und seine Arbeit ist sehr gut gelungen und atmosphärisch so richtig schön düster. War es Euch wichtig, dass das Cover auch zum Musikstil passt? Wobei so finster ist Eure Musik ja gar nicht.

Uns war es in erster Linie wichtig, dass das Cover einen direkten Bezug zur Band und zu unseren Texten in den Songs hat. Da FORCED TO KILL unser Debütalbum ist, sollte mit dem Cover auch der Name HEADLESS BEAST erklärt werden. Der kopflose Reiter ist jetzt auch so etwas wie unser Bandmaskottchen und findet sich auch auf unserem aktuellen T-Shirt wieder. Zudem mögen wir alle die handgemalten Cover aus den 80er Jahren, wie zum Beispiel die von IRON MAIDEN. Es hat uns schon immer fasziniert, wenn man eine CD oder Schallplatte anhört und man nebenbei ein interessantes Cover betrachten kann, auf dem man immer wieder neue Details findet. Markus Vesper war unsere erste Wahl, denn wir finden seine Arbeiten einfach klasse. Er ist einer der wenigen Künstler, die noch wirklich handgemalte Cover anfertigen, welche hinterher auch auf einer echten Leinwand als Gemälde existieren. Markus hat nach meinen Ideen und Vorgaben das Cover angefertigt. Mir war es dabei wichtig, dass sich die Inhalte der Songs auch in dem Cover wiederfinden. Markus Vesper hat dabei fantastische Arbeit geleistet. Da Markus selber ein großer Metal Fan ist und ihm die Story der kopflosen Reiters auch gut gefiel, war er auch spontan begeistert von meinem Konzept.

Das Cover ist in Monochrom, Schwarz und Rot gehalten, was auch der Grund dafür ist, dass es so dunkel aussieht. Rot ist die einzige Farbe die dabei verwendet wurde. Das war aber auch gerade das Interessante dabei. Zum damaligen Zeitpunkt gab es kaum eine andere Band die ein Cover in diesen Farbtönen verwendete. Dadurch hebt es sich auch von der Masse ab und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Zum Musikstil passt es auch hervorragend. Denn welche Farben ausser Rot und Schwarz passen besser zu einer Heavy Metal Platte?

Das Album habt Ihr ganz allein gestemmt, ohne Label im Rücken. Nun ist das Musikgeschäft wohl leider auch das Undankbarste was man sich vorstellen kann. Die Kosten für Produktion , Mix, Mastering, Artwork, Booklet etc. musstet Ihr aus eigener Tasche finanzieren. Der Erfolg ist aber in so einem Fall immer ungewiss. Es gehört also neben viel Enthusiasmus auch eine gute Portion Wagemut dazu. Was hat Euch da angetrieben? Wolltet Ihr euch den Traum vom eigenen Album erfüllen nach dem Motto: wir machen das jetzt einfach und schauen dann was passiert?

Angetrieben hat uns der Traum vom eigenen Album. Wir verfügten über gutes Songmaterial und eine gute Konzeption. Es stellte sich nun die Frage: »Machen wir es richtig oder nicht?« Wir haben uns dafür entschieden es richtig zu machen - mit allem was dazu gehört. Es wäre schade gewesen, wenn unsere Songs nicht so geklungen hätten, wie sie jetzt auf CD klingen. Wenn wir es jetzt nicht richtig gemacht hätten wann dann? Es ist ein großer Moment für einen Künstler, wenn er über genügend gutes Songmaterial und eine gute Idee für ein komplettes Album mit zwölf Songs verfügt. Dies ist ein Moment der sehr viel Zeit gekostet hat und in dem auch sehr viel Arbeit steckt. Wenn man dann nichts daraus macht, ist man selber schuld und macht sich vielleicht später Vorwürfe es nicht getan zu haben. Geld ist nicht alles. Geld ist schnell verdient und auch wieder schnell ausgegeben. Eine eigene CD mit eigenen Songs zu haben - die fantastisch klingt und zudem gut aussieht, ist dagegen etwas ganz Besonderes. Es ist etwas Dauerhaftes das bleibt und an dem man sich in zehn Jahren auch noch erfreuen kann. Wenn man dann am falschen Ende gespart hat, wird man dies später bereuen.

Da wir alle berufstätig sind, war es uns möglich, die CD-Produktion aus eigener Tasche zu finanzieren. Von mir persönlich sind Ersparnisse sowie das komplette Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Aufnahmen verwendet worden. Jedoch habe ich das Ganze auch immer als Investition in die Zukunft gesehen. Da wir an die Songs und die CD glaubten, rechneten wir damit, dass durch die Verkäufe auch relativ schnell wieder ein Teil der Produktionskosten hereinkommen würde. Der Erfolg gibt uns Recht: Bis heute haben wir über 500 CDs im Eigenvertrieb absetzen können.

Aufgenommen und gemixt wurde das Album im Studio von Vagelis Maranis in Backnang. Das liegt etwas nördlich von Stuttgart und somit nicht weit weg von Eurem Wohnort Ulm. Was hat Euch außer der günstigen Entfernung bewogen die Sache in die Hände von Vagelis Maranis zu legen? Wie war die Zusammenarbeit mit ihm? Habt Ihr Eure Vorstellungen strikt durchgesetzt oder auch Vorschläge von ihm übernommen und die eine oder andere Änderung an den Songs noch vorgenommen?

Die Zusammenarbeit mit Vagelis war fantastisch. Während der Aufnahmen konnten wir bei ihm wohnen und haben zusammen bis spät in die Nacht an den Aufnahmen gearbeitet. Ich bin mit Vagelis über einen gemeinsamen Bekannten in Kontakt gekommen. Vagelis verfügt über ein absolutes Gehör, hat eine unglaubliche Vorstellungskraft wie etwas zu klingen hat und beherscht dazu die Studiotechnik perfekt. Zudem hat er unglaublich viel Erfahrung durch seine Tätigkeit als Sänger bei der international bekannten Gruppe SANVOISEN sowie seit über zehn Jahren als Produzent und Toningineur (u.a. SUICIDAL ANGELS, ARRYAN PATH, SAIDIAN).

Natürlich haben wir Vorschläge und Änderungen von Vagelis entgegengenommen. Dafür war er unser Produzent. Dies ist ja auch der Sinn der Sache einen Produzenten hinzuzuziehen. Er brachte viel wertvollen zusätzlichen Input, machte uns auch Sachen aufmerksam die wir vorher nicht bedacht hatten und hat das Beste aus unseren Songs herausgeholt. Dafür sind wir ihm sehr dankabr. Ich denke das hört man unserer CD auch an.

Die Möglichkeit ein Album in Eigenregie zu produzieren ergreifen immer mehr Bands. Mit YouTube, Facebook und besonders MySpace gibt es Portale die den Bands dann ermöglichen auf sich und ihr Produkt aufmerksam zu machen. Leider haben die Portale aber auch einige Nachteile. Die werden inzwischen schon fast überschwemmt und immer unübersichtlicher. Was kann man da tun um nicht in der Masse unter zu gehen?

Ich denke das Wichtigste ist eine gute Homepage die auch intelligent verlinkt ist, um nicht in der Masse unter zu gehen. Auf dieser sollte man schnell und übersichtlich alle wichtigen Informationen finden. Ausserdem ist die Einrichtung eines eigenen Shops unerlässlich um den Interessenten die Möglichkeit zu geben, schnell und unkompliziert eine CD oder ein T-Shirt zu erwerben. Darüber hinaus darf man aber auch nicht vergessen, dass man ebenfalls über gutes Songmaterial verfügen muss. Schliesslich ist es immer noch die Musik um die es hierbei geht.

Über Plattformen wie MySpace denke ich, dass viele Bands die Kosten und den Aufwand für eine eigene Homepage scheuen und belassen es bei einer schnell eingerichteten Seite auf MySpace bewenden. Jedoch ist der Nachteil hierbei, dass MySpace in der Hoffnung mehr Einnahmen zu generieren angefangen hat, Werbung zwischen den Audiostreams einzublenden. Diese müssen von den Nutzern gehört werden, da sie sich im Gegensatz zu den anderen Werbeformen nicht wegklicken lassen. Ausserdem sehen diese Seiten teilweise auch nicht besonders ansprechend aus und wirken unübersichtlich.

Bereits 2004 habt Ihr eine EP raus gebracht: NEVER TOO LATE mit sechs Songs. Viele Bands verwenden beim Debüt Album den einen oder anderen Song von der vorangegangenen EP. Das habt Ihr nicht gemacht. Habt Ihr seid der EP die Messlatte höher gelegt und wolltet nur neues Material für das Album verwenden?

Genau so ist es. Für unser Debütalbum hatten wir die Messlatte höher angelegt und wir wollten nur neues Material für das Album verwenden. Seit dem Erscheinen unserer NEVER TOO LATE EP war nun doch eingige Zeit vergangen und wir haben uns in dieser Zeit natürlich musikalisch auch weiter entwickelt. Bei den Stücken auf FORCED TO KILL haben wir von Anfang an bei den Kompositionen auf mehr Abwechslung bei den Tempi und Tonarten geachtet. Bei NEVER TOO LATE geschah mehr oder weniger noch alles aus dem Bauch heraus. Zudem haben wir bei den Stücken von FORCED TO KILL auch mehr auf den Inhalt und Ausdruck der Texte geachtet. Von demher hätten die Songs von der EP auch nicht zu FORCED TO KILL gepasst. Man hätte den Unterschied gehört. Zudem war genügend gutes Songmaterial vorhanden, so dass es auch gar nicht notwendig war auf ältere Songs zurückzugreifen.

Alle Songs auf der FORCED TO KILL sind sehr melodisch und eingängig und sprechen damit viele Hörer an. Habt Ihr das beim Schreiben der Songs besonders beachtet oder ist das ganz automatisch passiert?

Nein das ist natürlich nicht automatisch passiert. Wir haben ganz bewußt einige Refrains eingängig gestaltet und auch was die Solos betrifft, sind diese auf FORCED TO KILL viel melodischer gestaltet. Es hat sich herausgestellt, dass wir dadurch tatsächlich viel mehr Hörer erreichen können und es ist auch schön neue Fans hinzuzugewinnen. Wir haben dies aber nicht aus kommerziellen Gründen getan, sondern weil es an den entsprechenden Stellen den Songs einfach gut getan hat und diese dadurch aufgewertet wurden.

Wer ist in der Band für das Songwriting zuständig, wie entwickelt sich ein Track von der ersten Idee bis hin zum fertigen Song inklusive des Textes?

Für das Songwriting in der Band bin hauptsächlich ich zuständig. Bis auf einen Song stammen alle Songs auf der NEVER TOO LATE EP und unserem Debütalbum FORCED TO KILL von mir. Prinzipiell gehe ich ans Songwriting so heran, dass ich mir zuerst ein Gitarrenriff ausdenke, dass markant ist und den Song trägt. Dann baue ich den Song weiter aus, mit den Strophenteilen die sich am Text orientieren und in der Regel in einem eingängigen Refrain münden. Vervollständigt wird der Song dann mit einem passenden Intro, eventuell einem Mittelteil und einem melodiösen Solo. Zudem überlege ich mir parallel dazu gleich den Grundrhythmus für den Bass und das Schlagzeug. Die Feinheiten arbeiten wir dann gemeinsam im Proberaum aus.

Was die Texte anbelangt, hatten wir in der Vergangenheit das Problem, dass unser früherer Sänger nicht so gerne Texte zu den Stücken schrieb. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, als ich die sprichwörtliche Feder in die Hand nehmen musste und selbst die Texte zu einigen der bereits vorhandenen Songs verfasst habe. In Jürgen Lugerth, einem langjährigen Fan und Freund der Band, fand sich ein zweiter Verfasser, welcher uns damit auch sehr unterstützt hat. Daher ist auch sein Name beim einen oder anderen Stück im Booklet als Autor zu finden. Unser Bassist Swen hat ebenfalls einen Text beigesteuert. Dies ist auch der Grund dafür, dass kein Text auf unserer neuen CD von einem Sänger verfasst wurde. Als Jürgen zur Band stieß, befanden wir uns mitten im Aufnahmeprozess und alle Texte waren bereits verfasst. Im Nachhinein hat sich diese Formel jedoch ganz gut bewährt.

Zwei Nummern fallen auf der FORCED TO KILL etwas aus dem Rahmen. Zum einen »Dying Day« was deutlich sanfter ist als die anderen Stücke wenn auch keine richtige Ballade. Und dann »Burning Cross« was von den Lyrics den Ku-Klux Clan behandelt, also vom Text weit ab der Fantasy Themen ist. Wie gesagt »Dying Day« ist keine richtige Ballade, habt Ihr das gescheut weil ihr Angst hattet eine Ballade wäre für das Album zu soft. Und warum greift Ihr bei »Burning Cross« ein für eine Metal Band so ungewöhnlich kritisches Thema auf?

Wenn Du Dir die Texte auf FORCED TO KILL durchliest wirst Du sehen, dass sich unserer CD inhaltlich mit allen Facetten menschlicher Verfehlungen auseinander setzt. Es werden dabei Themen behandelt wie Ausbeutung, das Führen von asymetrischen Kriegen, Betrug, Gewalt, Lügen, Mordlust, Rassismus, tödliche Bedrohung, Umweltzerstörung und zwanghaftes Handeln. Wie weiter oben bereits beschrieben, steht der Bandname HEADLESS BEAST auch symbolisch für die oftmals kopflos handelnde Menschheit, was in unserer Bandhymne am Schluss des Albums auch textlich zum Ausdruck gebracht wird. Der Inhalt von Burning Cross ist nur eines von vielen kritischen Themen. Der Song »Dying Day« soll auch keine Ballade sein. Inhaltlich geht es darum, welche Gedanken Dir am letzen Tag in Deinem Leben durch den Kopf gehen. Du darfst Dich dabei nicht von dem akkustischen Intro in die Irre führen lassen. Natürlich haben wir uns nicht davor gescheut eine richtige Ballade aufzunehmen, jedoch hätte dies einerseits von den textlichen Inhalten her nicht zu den anderen Stücken gepasst und andererseits hatten wir zum damaligen Zeitpunkt auch nicht das Bedürfnis eine Ballade zu schreiben.

Ballade ist das Stichwort. Könntet Ihr euch vorstellen auf ein zukünftiges Album mal eine Ballade zu packen?

Natürlich können wir es uns gut vorstellen auf ein zukünftiges Album eine richtige Ballade zu packen. Diese darf aber jedoch nicht schmalzig und schnulzig wirken. Ausserdem muss diese dann auch echte Gefühle ausdrücken. Da dies aber nicht auf Kommando geht, wird es sich einfach von selbst ergeben, wann der richtige Zeitpunkt für eine gute Ballade bei uns ist.

Ihr habt eine eigene Homepage die auch optisch schön gestaltet ist. Mit Informationen zu den Bandmitgliedern seid Ihr aber sehr sparsam außer dem Vornamen verratet Ihr nichts, keinen musikalischen Werdegang zum Beispiel in welchen Band Ihr vorher gespielt habt, nichts zu Lieblingsplatten und musikalischen Vorbildern. Wollt ihr das noch nachholen oder ist das mit Absicht so puristisch gehalten? Nun last mal was an Infos zu Euch hören!

Eine neue Bandhistory mit allen Informationen über uns ist bereits in Vorbereitung und wird in Kürze auf unserer Homepage zu finden sein. Unsere vollen Namen findest Du in unserer CD im Booklet.

Für alle die uns noch nicht kennen hier eine kleine Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder:

Ingo Neuber: Gitarrist und Hauptsongwriter von HEADLESS BEAST. Gründete 2000 die Band als BEASTS OF BOURBON - 2004 Umbenennung in HEADLESS BEAST. Von 1994 – 1999 Lead Gitarrist der Hardrock-Band EVIL PRIEST. Bevorzugte Gitarrenmodelle sind Gibson Flying V und Gibson SG. Lieblingsbands: AC/DC, ACCEPT, JUDAS PRIEST und SLAYER.

Jürgen Witzler: Sänger von HEADLESS BEAST. Seit 2009 in der Band aktiv. Auch bekannt unter seinem Künstlernamen »Mister Torture«. Hat bereits bei diversen Bands und Projekten mitgewirkt (SYMPHONADIUM, HEARTLESS CHILD, IVORY GATES) und ist nebenbei noch in der Classic-Rock-Coverband »On the Rocks« aktiv. Lieblingsbands: GOTTHARD, DIO, EDGUY/AVANTASIA und MASTERPLAN.

Swen Kuhlang: Bassist von HEADLESS BEAST. Seit Ende 2003 dabei. Er ist bereits auf der 2004 erschienenen EP NEVER TOO LATE zu hören. Swen verwendet bevorzugt einen schwarzen Bass des Herstellers ESP. Lieblingsbands: FATES WARNING, ARCH/MATHEOS, MERCYFUL FATE und METAL CHURCH.

Matthias Schwarz: Schlagzeuger von HEADLESS BEAST. Stieg 2004 erst nach der Veröffentlichung von NEVER TOO LATE in die Band ein. Matthias spielt auf einem schwarzen Yamaha-Schlagzeug. Lieblingsband: KISS.

Ihr habt mit Ingo nur einen Gitarristen in Euren Reihen, auf der FORCED TO KILL sind aber häufig mehrere Gitarren zu hören. Im Studio kein Problem, man kann Lead- und Rhythmusgitarre nacheinader aufnehmen, aber wie löst Ihr das bei Live Auftritten? Ist da dann nicht ein zu großer Unterschied gegeben wie Ihr Live klingt und wie auf CD?

Jede Band nutzt heutzutage die Möglichkeiten eines Studios und nimmt eine CD mit mehr Intrumenten als bei einem Livekonzert auf. Wir haben natürlich ebenfalls diese Möglichkeiten genutzt. Live ist der Unterschied nicht so riesengroß, da bei den Rythmusparts auf der CD die Gitarren einfach gedoppelt sind und somit synchron spielen. Bei den Solos folgen die Akkorde der Rythmusgitarre den Tönen am Bass. Wir haben bewusst bei den Aufnahmen darauf geachtet, keine Elemente zu verwenden, die später unmöglich umzusetzen sind. Das eine ist Studio und das andere ist live. Wenn Du Dir zum Beispiel viele erfolgreiche Gruppen mit einem Gitarristen anhörst wie z.B. BLACK SABBATH, ANVIL, GRAVE DIGGER, MANOWAR, MÖTLEY CRÜE, MOTÖRHEAD usw., wirst Du feststellen das diese es genauso machen.

Am Anfang habt Ihr euch Beasts Of Bourbon genannt, ein lustiger Bandname mit Anspielung auf den bekannten Song Beast Of Burden. Aber vielleicht war das von Euch auch gar nicht humorvoll gemeint. Bei den Fotos von Eurem Live Auftritt in Nersingen hängt ein Jack Daniels Plakat (Bourbon!) über dem Bandnamen und Sven Euer Bassist trägt auch noch ein Jack Daniels T-Shirt. Nun mal raus mit der Sprache, ist das Euer Lieblingsgetränk?

Die Idee uns damals Beasts Of Bourbon zu nennen, war tatsächlich in Anspielung auf den Rolling Stones Song »Beast Of Burdon«. Wir kamen in der Tat bei einem Glas Jack Daniels auf diese Idee, während dieser Song im Hintergrund lief. Die Jack Daniels Fahne die Du auf den Bildern aus Nersingen gesehen hast, hat nichts mit uns zu tun. Die hängt immer dort. Das mit dem Jack Daniels T-Shirt von unserem Bassisten war ebenfalls Zufall. Er hatte es einfach angezogen, weil es schwarz war und gut aussah. Aber es ist interessant wie man solche Zufälle auch anders interpretieren kann.

Da ich gerade bei dem Auftritt im Herbst in Nersingen bin, da habt ihr mit den Jungs von Emerald Sun den Power Metallern aus Griechenland die Bühne geteilt. Emerald Sun ist mir ein Begriff ich habe sogar ein Album von denen. Meiner Meinung nach passt ihr, auch wenn Euer Stil etwas anders ist, ganz gut zusammen. Wie habt Ihr das empfunden, wie waren die Reaktionen seitens des Publikums?

Die Reaktionen des Publikums waren fantastisch in Nersingen. Beide Bands wurden vom Publikum dankar angenommen. Emerald Sun sind ein klasse Band und wir haben uns prächtig mit den Jungs verstanden. Da wir gut zusammen passten, war dies auch der Grund dafür ein gemeinsames Konzert zu spielen. Für uns war es ein klasse Abend und ich habe mir Emerald Sun natürlich auch angesehen. War ein geiler Gig der Spaß gemacht hat.

Jürgen Euer Sänger steht außer bei Headless Beast auch noch bei der Band On The Rocks am Mikro und hat auch sonst noch einige Projekte am laufen. Er hat eine eigene Homepage unter dem Namen Mister Torture. Da gab es mal den Song von Helloween der hieß Mr. Torture. Gibt es da einen Zusammenhang?

Ja. Da Jürgen den Song Mr. Torture von Helloween sehr mag und er die Bezeichnung toll findet, war dies der Grund für ihn sich dieses Pseudonym zuzulegen.

Wenn ich mir die Fotos von Jürgen anschaue auf der Startseite seiner Homepage und dann unter der Rubrik »About me«...Einmal schaut er ziemlich grimmig und einmal (wohl auf einem älteren Foto) ganz brav wie Schwiegermutters Liebling. Kann man aus den beiden Fotos ableiten, dass Heavy Metal mit der Zeit grimmig macht? Okay, ist nicht ganz ernst gemeint.

Hahaha – nein natürlich nicht. Bei unserer Fotosession für das Booklet von FORCED TOO KILL schaute er erst ganz freundlich in die Kamera. Dann meinte unser Fotograf jedoch, er soll mal ein bischen finsterer schauen - das würde besser aussehen. Jürgen fand das Foto hinterher auch in Ordnung und das haben wir dann auch so übernommen.

Ihr kommt aus Ulm, wie schaut dort die Musikszene aus. Je weiter man nach Süden kommt um so schwieriger wird es für eine Metal Band so scheint mir. Ich wohne noch 100km weiter südlich als Ihr und hier ist die Volksmusik schon sehr penetrant. Hier schallen einem aus dem Radio nur die Kastelruther Klosett Kastraten oder die Original Zillertaler Zitter Zombies entgegen, die klingen wie ein liebeskrankes Eichhörnchen das gerade die Lawinen von den Bergen jodelt. Ist das bei Euch auch so ätzend?

Generell hatten wir früher in Ulm eine größere HeavyMetal Szene. Dies lag zum einen daran, dass in Ulm mehr Metal Konzerte veranstaltet wurden und auch noch viel mehr Rockdiskotheken, Hallen und Rockkneipen existierten. Jedoch sind die meisten von diesen in den letzten zehn Jahren nach und nach verschwunden und es gibt auch nur noch wenige Orte an denen Heavy Metal Konzerte veranstaltet werden. Der Großteil, was Konzerte anbelangt, spielt sich inzwischen in München oder Stuttgart ab. Dadurch ist es für uns auch nicht einfacher geworden. Jedoch gibt es nach wie vor eine breite Szene eher im ländlichen Bereich. Dort gibt es noch viele kleinere Clubs und Auftrittsmöglichkeiten für Bands. Was das Radio angebelangt, ist es nicht ganz so schlimm. Zum Glück kann man sich ja da den passenden Sender selbst aussuchen.

Damit sind wir auch schon am Ende, ich denke ich habe Euch genug gequält. Ich bedanke mich für Eure Mitarbeit und wünsche Euch in der Zukunft viel Spaß und Erfolg. Zum Abschluss wie immer die Frage, möchtet Ihr euren Fans noch einige Worte sagen?

Ich kann euch alle nur dazu aufrufen: Unterstützt den Underground! Gebt Bands eine Chance, auch wenn Sie keinen Plattenvertrag haben. Jede Band die ihre Sache selbst in die Hand nimmt, verdient Respekt! Kommt zu unseren Konzerten lasst die Sau raus und habt Spaß!

Ulf B.

Quelle: Interview mit Ingo Neuber von Headless Beast bei HardHarderHeavy

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