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Review von »Forced To Kill« bei HardHarderHeavy.de, 05.02.2012

Aus Ulm, der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt, kommen die vier Jungs von Headless Beast. Gegründet wurde die Band 1999 unter dem damaligen Namen Beast Of Bourbon (lustige Persiflage auf den Stones Song »Beast of Burden«) Zwar änderte man den Namen später in Headless Beast aber der Whiskey scheint es dem Quartett immer noch angetan zu haben. So ist auf den Fotos der Homepage von einem Liveauftritt ein Jack Daniels Poster über dem Bandlogo zu sehen. Na dann prost! Im Jahre 2004 veröffentlichte man eine EP mit sechs Songs und nun mit FORCED TO KILL das Debüt Album.

Verwurzelt ist die Musik der kopflosen Bestie tief in den Achtzigern, der Blütezeit des Heavy Metal. Das düstere Cover Artwork wurde von Markus Vesper gestaltet und ist ein echtes Gemälde und keine digitale Arbeit. Beim Bandnamen in Verbindung mit dem Cover denkt man sofort an den Film Sleepy Hollow mit Johnny Depp in der Hauptrolle in dem ein Reiter ohne Kopf für Angst und Schrecken sorgt und einigen Leuten die Murmel abschlägt. Der Film von Tim Burton erschien übrigens 1999 also genau in dem Jahr als auch die Band gegründet wurde. Aber ganz so finster ist die Musik der Ulmer dann doch nicht. Im Stile von Judas Priest, Accept und einer kleinen Prise alter Iron Maiden präsentieren die Vier eingängigen, melodischen Metal der alten Schule. Doch schauen wir mal im Detail was der Kopflose Reiter uns im Gepäck mitgebracht hat.

Stilecht mit Hufgetrappel beginnt »Black Rider«. Die Vocals sind klar und kräftig und an manchen Stellen eine Spur heiser, das passt schon mal ausgezeichnet zu den treibenden Drums und den heftigen Gitarrenriffs. Das Stück ist flott, energiegeladen mit schönem Gitarrensolo in der zweiten Hälfte. Auch »Riding with the Deadman« gefällt durch die Powerriffs der Gitarren. Zwar hat die Band nur einen Gitarristen aber im Studio kann man ja einfach mehrere Spuren aufnehmen. Der Song ist melodisch wie eigentlich alle von Headless Beast. Die Vocals gehen in den hohen Passagen in Screams über was die Intensität noch steigert. Mit einem Wort, ein guter Headbanger. Das trifft auch auf »Deny the System« mit seinen aggressiven Gitarren zu. Mit einem Basssolo und einer Radiostimme im Hintergrund startet »Burning Cross«. Der Midtempo Song besitzt viel Gitarrenpower die meist recht finster daher kommt. Von den Lyrics behandelt man die Menschenjagd und den Rassismus des Ku-Klux-Klan. Vielleicht ist der Song durch den Film Mississippi Burning inspiriert. »Maniac« entpuppt sich als handfester Rocker mit schnellem Gitarrensolo. Mit akustischer Gitarre als Intro startet »Dying Day«. Hier zeigen sich Headless Beast von einer sanfteren Seite. Das Stück ist allerdings keine Ballade. Mit sehr guter Melodie und ausdrucksstarken Vocals kann die Truppe auch hier punkten. »Mortal Fear« ist erheblich schneller ausgefallen, besitzt hämmernde Drums und durch mehrere Rhythmus- und Tempowechsel ist für Abwechslung gesorgt. Das Gitarren-lastige »Evil rules« hat einen geschickten Spannungsaufbau. Bei »Forbidden Intensions« steht der stampfende Rhythmus im Vordergrund. Die Vocal sind ein wenig heiserer und leidenschaftlicher ausgefallen. Kein Wunder, besingt man hier doch eine Femme Fatale vor der uns unsere Mutter immer gewarnt hat und die wir daher um so anziehender finden. Warum spreche ich hier von anziehend... ausziehend trifft es doch viel besser.

Der Titelsong »Forced to kill« ist ein schwerer Heavy Metal Stampfer der einige Male in einen galoppierenden Rhythmus fällt. Die Gitarren sind teils verzerrt, die Drums spielen sehr variabel. Bei »Run for you Life« denke ich an eine Strophe aus Maidens »Run to the Hills« wo der Refrain eben genau so lautet. Der kraftvolle und doch melodische Track glänzt mit einem flirrenden Gitarrensolo. Das Dutzend voll macht »Headless Beast«. Hier donnern Drums und Gitarren um die Wette. Man baut auf einen marschierenden Rhythmus in der Mitte unterbrochen durch einen ruhigen Einschub. Ehrlicher Heavy Metal ohne unnützes Beiwerk direkt ins Herz eines jeden Fans der härteren Musik.

Fazit:
Komplett in Eigenregie ohne Label im Rücken haben Headless Beast ein echt starkes Album abgeliefert. Songs die sofort zünden, sehr melodisch sind und ins Ohr gehen, fettes Riffing, tolle Hooklines, kraftvoller und leicht rauer Gesang, treibende Drums und deftiger Bass sind die Zutaten aus denen uns das Biest eine gelungene CD im klassischen Metal Stil braut und die mundet ohne, dass man mit einem Glas Whiskey nach spülen muss. Sehr ambitioniert und mit viel musikalischem Herzblut versehen übertrifft das Resultat den Output der meisten Bands mit Plattenvertrag bei weitem. Aufgenommen und gemixt wurde die Scheibe bei Vagelis Maranis der schon für Saidian, Suicidal Angels und Winter´s Verge erfolgreich gearbeitet hat. Der Sound ist knackig und voll und passt zum schnörkellosen, geradlinigen, bodenständigen Metal mit deutlichem NWoBHM Einfluss. In den letzten beiden Jahren ist ohnehin ein Trend zurück zur hohen Zeit des 80er Metals festzustellen. Sei es, dass sich etablierte Bands ihrer Wurzeln erinnern oder eben, wie im Fall von Headless Beast, dass sofort mit dem Debüt diesem Musikstil gefrönt wird. Und so schlägt der Reiter ohne Kopf uns zwar nicht die Rübe runter aber eine heftige Metal-Dröhnung um die Ohren und beweist, der Kopf wird völlig überschätzt, man kann auch ohne tolle Musik machen.

Anspieltipps:
»Riding with the Deadman«, »Deny the System«, »Dying Day«, »Forced to kill« und »Headless Beast«

Tipp:
FORCED TO KILL ist ein tolles Album und bedient eine breite Anhängerschaft die von NWoBHM, Teutonenstahl der Marke Accept bis True Metal wie von Manowar reicht. Und jetzt heißt es kaufen oder Kopf ab.

Bewertung: 6 / 7

Ulf B.

Quelle: www.hardharderheavy.de – Headless Beast – Forced To Kill

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