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Gitarrist Ingo Neuber im Gespräch mit dem From the Underground Magazine
(Ausgabe #19, Dezember 2011, S. 10)

In Ulm und um Ulm herum wird auch teutonischer Stahl von bester Güteklasse geschmiedet, auch wenn´s ab und an mal ein bisschen länger dauert.

HEADLESS BEAST haben sieben Jahre gebraucht, um einen Nachfolger für die Mini- CD »Never Too Late« vorzulegen. »Forced To Kill« heißt der Silberling, der Anhänger von GRAVE DIGGER, GRAVESTONE oder ACCEPT (vor 1982) ebenso wenig enttäuschen dürfte wie Fans der NWoBHM. Was es nach sieben Jahren Neues gibt und warum noch kein Label die Band unter Vertrag genommen hat, erklärte Gitarrist und Hauptsongwriter Ingo Neuber.


Hi Ingo, Glückwunsch zu Eurem Debüt, für das Ihr Euch aber ziemlich lange Zeit gelassen habt: Sieben Jahre liegen zwischen der EP »Never Too Late« und »Forced To Kill« . Woran lag´s?

Vielen Dank! Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist schön zu sehen, wie viel positive Reaktionen wir auf »Forced To Kill« bekommen haben. Warum es so lange gedauert hat? Ganz einfach: Wir hatten in der Zwischenzeit nach der Veröffentlichung von »Never Too Late« einige Positionswechsel innerhalb der Band zu verkraften. Was uns zeitlich dabei am meisten zurückgeworfen hatte, waren die Wechsel an der Gesangsposition. Es war verdammt schwer, einen passenden Sänger für unser Debütalbum zu finden. Erst im Sommer 2009 haben wir in Jürgen Witzler den richtigen Mann fürs Mikro gefunden und konnten mit ihm Ende 2009 die Aufnahmen im Studio erfolgreich beenden.

Durch die Wechsel am Gesang war jedoch auch der ursprüngliche Zeitplan mit dem Studio völlig durcheinander geraten. Da der Produzent und das Studio immer stark ausgebucht waren, konnten der Mix und das Mastering deshalb aus terminlichen Gründen erst im Juli 2010 vollendet werden. Außerdem entschlossen wir uns zu diesem Zeitpunkt, ein Booklet mit allen Texten und individell dafür gestalteten Hintergründen zu veröffentlichen. Zudem wurde das CD-Cover noch einmal komplett überarbeitet und ein neues Bandlogo entworfen. Markus Vesper hat hierbei einen klasse Job abgeliefert. Da dies alles natürlich noch extra entsprechend Zeit kostete, waren das die Gründe dafür, warum sich der Veröffentlichungstermin solange hinzog. Aber wenn man das Endergebnis sieht und hört denke ich, ist der zeitliche Aufwand hierfür gerechtfertigt.

Ihr habt hörbar die Zeit genutzt, um das Ganze ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten...

Das ist richtig. Bei den Stücken auf »Forced To Kill« haben wir von Anfang an bei den Kompositionen auf mehr Abwechslung bei den Tempi und Tonarten geachtet. Bei »Never Too Late« geschah mehr oder weniger noch alles aus dem Bauch heraus. Auch was die Solos betrifft, sind diese auf »Forced to kill« viel melodischer und eingängiger gestaltet.

Zudem haben wir bei den Stücken von »Forced To Kill« auch mehr auf den Inhalt und Ausdruck der Texte geachtet, und ich habe auch meine ersten Texte verfasst. Unser Bassist Swen hat ebenfalls seinen ersten Text dazu beigesteuert. Weitere Unterstützung bekamen wir von Jürgen Lugerth, einem langjährigen Fan und Freund der Band. Dies ergab sich zum einen dadurch, dass unser früherer Sänger nicht so gerne Texte schrieb und zum anderen war dies auch bedingt durch die Wechsel an der Gesangsposition. Im Nachhinein hat sich diese Formel jedoch ganz gut bewährt. Unser Sänger Jürgen hat keine Probleme damit, dass die Texte nicht von ihm stammen. Es gibt viele bekannte Bands, bei denen der Sänger zwar für die Gesangslinien, aber nicht für die Texte an sich verantwortlich ist.

Die deutlichste Weiterentwicklung hört man beim Gesang. Jürgen Witzler, unser jetziger Sänger, hat eine klare aber dennoch aggressive Metal-Stimme. Im Gegensatz dazu, verfügte sein Vorgänger eher über eine rotzrockige Reibeisenstimme. Dementsprechend ist der Gesang auf »Forced To Kill« auch viel klarer und melodischer ausgefallen. Zudem hat Jürgen tolle Gesangslinien auf dem Album abgeliefert.

Auf einem Plakat steht »Teutonic Heavy Metal« . Habt Ihr selbst Euch dieses Label gegeben? Für mich ist da noch mehr rauszuhören. Etwa erinnert mich Euer Sänger Jürgen an eine metallischere Variante von Claus Lessmann. Aber auch bei Songs wie »Burning Cross« geht’s doch melodischer zu als die pure GRAVE DIGGER/GRAVESTONE-Schiene.

Die Idee mit dem Plakat war folgende: Da wir als deutsche Gruppe mit einer Band aus Griechenland ein gemeinsames Konzert veranstalten wollten, musste natürlich auch ein entsprechendes Motto für diesen Event gefunden werden. In sehr vielen Reviews wurde unsere Musik als eine Mischung zwischen Teutonic Heavy Metal und NWoBHM bezeichnet. Der Stil der griechischen Band wurde oft als melodischer Power Metal beschrieben. Somit kam mir die Idee, die markanten Merkmale von beiden Gruppen gegenüber zu stellen. Da unser Stil etwas rauer ist und mit dem Wort »Teutonic« auch etwas Raues und Hartes assoziiert wird, passte es gut zu uns als deutsche Gruppe. Im Gegensatz dazu denkt man bei einer Band aus Griechenland musikalisch gesehen eher an etwas Melodisches. Damit schien mir dies auch das passende Motto für die Veranstaltung zu sein: »Teutonic Heavy Metal meets Greek Melodic Powermetal« . So wurde es dann auch auf dem Plakat abgedruckt.

Es ist richtig das bei uns natürlich noch mehr Elemente heraus zu hören sind. Deinem Vergleich mit unserem Sänger als metallische Variante von Claus Lessman kann ich nur zustimmen. Als Jürgen sich damals bei uns vorstellte, klang er für mich wie eine Mischung zwischen Steve Lee und Claus Lessmann - mit jedoch noch weiteren Facetten. Seine Stimme passt perfekt zu unseren Songs. Auch was die Musik betrifft, ist es richtig, dass unsere Stücke doch noch andere Elemente beinhalten als die pure GRAVE DIGGER-Schiene. Deshalb können wir ganz gut damit leben, wenn man uns auch NWoBHM-Elemente zuschreibt.

Für alle, die Euch noch nicht kennen, stell doch mal bitte kurz die Bandmitglieder vor.

Ingo Neuber: Gitarrist und Hauptsongwriter von Headless Beast. Gründete 2000 die Band als BEASTS OF BOURBON - 2004 Umbenennung in HEADLESS BEAST. Von 1994 – 1999 Lead Gitarrist der Hardrock-Band EVIL PRIEST. Bevorzugte Gitarrenmodelle sind Gibson Flying V und Gibson SG. Lieblingsbands: AC/DC, ACCEPT, JUDAS PRIEST und SLAYER.

Jürgen Witzler: Sänger von HEADLESS BEAST. Seit 2009 in der Band aktiv. Auch bekannt unter seinem Künstlernamen »Mister Torture« . Hat bereits bei diversen Bands und Projekten mitgewirkt (SYMPHONADIUM, HEARTLESS CHILD, IVORY GATES) und ist nebenbei noch in der Classic-Rock-Coverband »On the Rocks« aktiv. Lieblingsbands: GOTTHARD, DIO, EDGUY/AVANTASIA und MASTERPLAN.

Swen Kuhlang: Bassist von HEADLESS BEAST. Seit Ende 2003 dabei. Er ist bereits auf der 2004 erschienenen EP »Never Too Late« zu hören. Swen verwendet bevorzugt einen schwarzen Bass des Herstellers ESP. Lieblingsbands: FATES WARNING, ARCH/MATHEOS, MERCYFUL FATE und METAL CHURCH.

Matthias Schwarz: Schlagzeuger von HEADLESS BEAST. Stieg 2004 erst nach der Veröffentlichung von »Never Too Late« in die Band ein. Matthias spielt auf einem schwarzen Yamaha-Schlagzeug. Lieblingsband: KISS.

Euer Full-length-Debüt hat ein Cover von Markus Vesper (u.a. MANILLA ROAD) und wurde von Vagelis Maranis (u.a. SUICIDAL ANGELS) produziert. Keine ganz unbekannten Namen. Habt Ihr im Lotto gewonnen?

Hahaha ja schön wär´s. Nein, leider haben wir nicht im Lotto gewonnen.

Spaß beiseite: Wie finanziert man als Underground-Band so eine CD? Studios sind teuer heutzutage.

Das ist richtig. Studios sind sehr teuer. Jedoch gibt es was die Preise betrifft, natürlich wie in anderen Bereichen des Lebens auch sehr große Unterschiede. Das teuerste Studio muss deshalb nicht immer das beste sein. Meiner Meinung nach ist das entscheidene Kriterium nicht unbedingt die Technik, sondern die Fähigkeiten und die Erfahrung des Produzenten beziehungsweise Engineers. In unserem Fall haben wir mit dem Produzenten Vagelis Maranis einen wahren Glücksgriff gehabt.

Vagelis verfügt über ein absolutes Gehör, hat eine unglaubliche Vorstellungskraft wie etwas zu klingen hat und beherscht dazu die Studiotechnik perfekt. Dadurch benötigten wir nicht noch einen extra Toningineur, wie in anderen Studios üblich. Zudem hat er unglaublich viel Erfahrung durch seine Tätigkeit als Sänger bei der international bekannten Gruppe SANVOISEN sowie seit über zehn Jahren als Produzent und Toningineur.

Da wir alle berufstätig sind, war es uns möglich, die CD-Produktion aus eigener Tasche zu finanzieren. Von mir persönlich sind Ersparnisse sowie das komplette Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Aufnahmen verwendet worden. Jedoch habe ich das Ganze auch immer als Investition in die Zukunft gesehen. Da wir an die Songs und die CD glaubten, rechneten wir damit, dass durch die Verkäufe auch relativ schnell wieder ein Teil der Produktionskosten hereinkommen würde.

Der Erfolg gibt uns Recht: Bis heute haben wir innerhalb von einem Dreiviertel Jahr über 500 CDs im Eigenvertrieb absetzen können. Zudem darf man dabei nicht vergessen, dass natürlich auch jedes Hobby Geld kostet. Der eine steckt sein Geld in ein getuntes Auto, der andere gibt es für eine teure Sportausrüstung aus und der Dritte für Urlaubsreisen. Unsere Leidenschaft ist die Band und die Musik.

Da geht das Lob, das Ihr für Euer Album bekommen habt – nachzulesen auf Eurer Homepage – ja noch viel besser runter. Wie managt man denn noch so nebenbei die Promotion? Habt Ihr CDs an alle Magazine verschickt? Das wird ja bei den ganzen Online-Dingern ein teurer Spaß...

Um das Management der Band kümmere ich mich. Das Ganze ist vom Zeitaufwand her wie ein Nebenjob. Aber es macht mir Spaß und Freude. Man knüpft viele Kontakte, lernt ständig neue Leute kennen und sammelt so auch sehr viel Erfahrung im Musikbusiness. Inzwischen kann ich sagen, dass ich über die Jahre alles von der Pike auf gelernt habe. Das reicht von Songs und Texte schreiben über neue Bandmitglieder suchen, geeignete Proberäume finden, sich um die Pressearbeit kümmern, Werbung zu machen, die Homepage betreuen und Fanpost zu beantworten, Covergestaltung und Studioaufnahmen bis hin zum Vertrieb, die Finanzen und das Organisieren von Konzerten.

Natürlich muss eine gewisse Anzahl von CDs auch für Promotionszwecke verschickt werden. Aus unserer Sicht hat es sich nicht rentiert, extra Promo-CDs in einer abgespeckten Version herzustellen. Die Redakteure der Magazine sollten ein Original-Exemplar unserer CD mit dem Booklet, das auch alle Texte und wichtigen Informationen enthält, bekommen. Nur so können sich diese einen wirklichen Gesamteindruck über unser Werk verschaffen. Unsere CD haben wir an all jene Magazine geschickt, die wir für unsere Musikrichtung als interessant empfanden und die wir kannten. Jedoch habe ich immer erst bei dem entsprechenden Magazin angefragt, ob Interesse an einem Review besteht. Ich habe nie blind eine CD zu einem Magazin für ein Review verschickt. Heutzutage ist es so, dass natürlich viel mehr Online-Magazine als Print-Magazine exisiteren. Inzwischen gibt es allerdings so viele Online-Magazine, dass man gar nicht mehr alle kennen kann. Aufgrund der Veröffentlichungsflut ist es den Magazinen jedoch oft auch nicht möglich, alles zu rezensieren, oder es dauert entsprechend, bis ein Review veröffentlicht werden kann. Aber mit den Reviews, die wir bisher erhalten haben, sind wir sehr zufrieden. Insgesamt kann ich sagen, dass die meisten Magazine ihr Wort gehalten haben. Wenn sie eine CD bekommen haben, wurde diese auch rezensiert. Dabei muss ich erwähnen, dass von meiner Seite zu keinem Redakteur eine persönliche Bekanntschaft besteht. Bei allen Reviews die auf unserer Seite veröffentlicht sind, spachen nur unsere Songs, sprich die CD alleine für sich.

Wie oft spielt Ihr eigentlich so live? Und kommt Ihr dazu auch mal aus Süddeutschland raus?

Wir spielen so oft live, wie sich die Gelegenheit dazu ergibt. In der letzten Zeit waren wir aufgrund der Sängerwechsel und der CD-Produktion nicht so präsent, aber das ändert sich ja gerade. Natürlich kommen wir aus Süddeutschland auch heraus. Unser entferntester Auftritt war etwa 2008 in Kiel. Wir sind gerade auch dabei, Auftritte in Bremen, Thüringen, Rheinland Pfalz und der Schweiz vorzubereiten.

Tobias Sammet von EDGUY hat im Rock-Hard-Interview sinngemäß gesagt, dass es in einer Band keine Demokratie geben kann, einer muss sagen, wo es lang geht. Ist das bei Euch genauso? Bist Du, Ingo, der Boss?

Mit dieser Aussage hat Tobias Sammet nicht ganz Unrecht. Du kennst doch die Sprichwörter »Viele Köche verderben den Brei« oder »Auf einem Schiff gibt es nur einen Kapitän« . Da ist durchaus etwas Wahres dran. Wenn Du Dir zum Beispiel viele erfolgreiche Gruppen ansiehst und Dich dann fragst, warum diese erfolgreich sind, kann es durchaus eine Rolle spielen, dass einer die Richtung vorgibt. Zum Beispiel Steve Harris bei IRON MAIDEN, Lemmy bei MOTÖTHEAD, Mille bei KREATOR, Dave Mustaine bei MEGADETH oder in dem von Dir genannten Beispiel von EDGUY eben Tobias Sammet.

Bei HEADLESS BEAST verhält es sich ähnlich. Ich habe die Band von Null gegründet, bin der Hauptsongwriter und habe die Band auch in schwierigsten Zeiten immer zusammengehalten. Deshalb kann man mich zu Recht sozusagen als den Motor von HEADLESS BEAST bezeichnen. Jedoch habe ich mir das auch alles sehr hart erabeiten müssen. Geschenkt wurde mir dabei nichts. Wir haben es in der Vergangenheit zwar auch schon mit Basisdemokratie versucht, aber das hat letzten Endes zu nichts geführt, außer das sich alles in die Länge gezogen hat und nicht viel dabei herausgekommen ist. Vielmehr wurden persönliche Interessen forciert, viele unnötige Nebenkriegsschauplätze eröffnet und von den eigentlichen Zielen abgelenkt. Ab dem Zeitpunkt des Sängerwechsels und der Zeit im Studio habe ich dann wieder das Heft in die Hand genommen. Wie man im Nachhinein sieht mit Erfolg. Es gab in dieser Zeit viele Momente, an denen alles auf der Kippe stand. Einer musste dann das Ruder in die Hand nehmen und das Schiff wieder auf Kurs bringen, ansonsten gehen alle unter. Was man dabei aber auch nicht vergessen darf, derjenige muss auch bereit sein, mehr zum geben als die anderen.

Wird’s jetzt eigentlich wieder sieben Jahre dauern, bis ´ne neue Platte kommt?

Nein, auf keinen Fall! Die lange Wartezeit war den personellen Veränderungen sowie einigen äußeren Umständen geschuldet. Ich denke, jetzt hat sich eine Mannschaft herauskristallisiert, die gut zusammenarbeitet. Der Prozess der letzten Jahre war auch sehr wichtig – einerseits, um die Band richtig aufzugleisen und zum anderen, um wichtige Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Dies beinhaltet auch die musikalische Ausrichtung des Stils von HEADLESS BEAST. Auf den Stärken von »Forced To Kill« kann in Zukunft aufgebaut werden. Wichtig war die Grundlage eines festen Fundamentes, das somit gelegt ist.

Habt Ihr bis dahin ein Label? Oder wollt Ihr weiterhin im Eigenvertrieb bleiben?

Das kann ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Bisher hat sich der Eigenvertrieb als gute Lösung bewährt. Vertriebstechnisch arbeiten wir außerdem mit den Labels Hellion Records und Pure Steel Records zusammen. Man kann dort auch unsere CD erwerben. Die Zusammenarbeit läuft ganz gut. Die meisten Verkäufe laufen jedoch über den Internet-Shop direkt auf unserer Homepage ab. Im Vergleich zu vielen anderen Underground-Bands die einen Plattenvertrag haben, verkaufen wir mehr CDs und verfügen über alle Rechte daran. Deshalb weiß ich jetzt nicht, warum ich daran etwas ändern sollte. Im Grunde genommen bietet das Internet heute alle Möglichkeiten für Underground-Bands, um sich selbst zu managen. Das einzige was mich stört ist, dass viele Magazine oder Veranstalter zu stark auf CDs und Bands von Labels fokusiert sind. Jedoch: Wenn man ein Label im Hintergrund hat, ist das noch kein automatischer Qualitätsbeweis. Wie in unserem Fall gibt es auch genügend Bands, die ein ordentliches Produkt in Eigenregie auf die Beine stellen. Dies verdient die gleiche Beachtung.

Vielleicht seid Ihr ja Fußball-Fans: Was sagt Ihr denn zum Niedergang der Spatzen, die ja jetzt fünfte Liga kicken?

Das ist natürlich ein wunder Punkt, den Du mit dieser Frage berührst. Ich war 1999 live im Donaustadion dabei, als der SSV Ulm den damaligen Gegner Greuther Fürth besiegete und aufstieg. Was war das für ein Jubel und eine Euphorie! Heute ist davon nichts mehr übriggeblieben. Das Donaustadion wurde auch nie ausgebaut. Jedoch kann der SSV einen einmaligen Rekord für sich in der Bundesliga verbuchen: Er ist der Verein, der es am schnellsten nach oben und gleich wieder nach unten geschafft hat.

Ich nenne Euch fünf deutsche Bands, die noch oder wieder aktiv sind: Auf wen könntet Ihr am ehesten verzichten – und wieso? ACCEPT, GRAVE DIGGER, U.D.O., BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN

Das ist jetzt eine sehr ungewöhnliche Frage, aber warum nicht? Grundsätzlich möchte ich als Metal-Fan keine der fünf Gruppem missen und freue mich, dass alle so lange durchgehalten haben. Auf ACCEPT und U.D.O. kann man nicht verzichten, da beide den Begriff des deutschen Heavy Metal definieren. Zudem habe ich von beiden Gruppen noch nie einen schlechten Auftritt gesehen. GRAVE DIGGER ist ebenfalls eine Institution, was den deutschen HeavyMetal anbelangt. Am ehesten, denke ich, könnte man auf BLIND GUARDIAN oder die heutige Ausgabe von HELLOWEEN verzichten. Beide Gruppen verfügen über tolle Musiker und haben technisch viel zu bieten. Jedoch haben sie sich im Laufe der Jahre zu weit von ihren Wurzeln und Trademarks entfernt, die sie einst groß gemacht haben. ACCEPT, U.D.O. und GRAVE DIGGER sind ihren Wurzeln treu geblieben - und das wird von den Fans auch honoriert. Aus diesem Grund haben auch Bands wie z.B. AC/DC, MOTÖRHEAD oder SLAYER überlebt. Sie haben sich nie verbogen und sind ihrem Stil treu geblieben.

Die berühmten letzten Worte an unsere Leser:

Ich kann euch alle nur dazu aufrufen: Unterstützt den Underground! Gebt Bands eine Chance, auch wenn Sie keinen Plattenvertrag haben. Jede Band die ihre Sache selbst in die Hand nimmt, verdient Respekt!

Thomas Bach

Quelle: From the Underground, Ausgabe #19, Dezember 2011, S.10

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