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Gitarrist Ingo Neuber im Gespräch mit dem Ancient Spirit Magazine, 06.06.2011

HEADLESS BEAST legten kürzlich eine eigenfinanzierte CD vor, welche viele reguläre Veröffentlichungen um Längen schlägt. Angefangen von der Aufmachung über die knallende Produktion bis hin zu den spielerischen und songwriterischen Fähigkeiten, kann man nur noch »Wow« sagen. Vorausgesetzt man steht auf old schoolischen Powermetal teutonischer Prägung. Viel besser geht es in dieser Sparte kaum. Gitarrist Ingo Neuber war Ralf’s Gesprächspartner.

Hi Ingo hier der Ralf vom Ancient Spirit Webzine. Wobei störe ich Dich gerade?

Im Moment bin ich gerade dabei E-Mails von unseren Fans zu beantworten. Es ist schön zum lesen, wie viele positive Reaktionen wir auf das neue Album bekommen.

Gratulation zum aktuellen Album, es klingt sehr beeindruckend, war mit Sicherheit nicht billig? Wo habt ihr aufgenommen, mit wem und wie habt ihr es finanziert?

Wir haben das Album im Maranis Studio in Backnang aufgenommen. Der Produzent des Albums ist Vagelis Maranis. Viele kennen ihn bestimmt noch als Sänger der Gruppe SANVOISEN, die in den 90er Jahren bekannt war. Vagelis hat auch den Mix und das Mastering für das Album durchgeführt. Finanziert haben wir das Album komplett aus eigener Tasche und ohne Unterstützung. Von mir persönlich sind Ersparnisse sowie das komplette Urlaubs- und Weihnachtsgeld dafür draufgegangen.

Für das Coverartwork konntet ihr Markus Vesper gewinnen – wie kamt ihr auf ihn?

Markus Vesper hatte 2004 für die Band INFEARIOR aus Bremen das Coverartwork für deren Debütalbum «Two Faced World« gestaltet INFEARIOR war die Band unseres ehemaligen Sängers Markus Haberland (Havi) der bis 2003 bei uns aktiv war. Ich fand den Stil und die Ideen von Markus Vesper klasse. Zudem sind seine Cover alle handgemalt und Kunstwerke, die auf einer echten Leinwand existieren. Er ist auch ein großer Fan von handgemalten Covern im Stile von IRON MAIDEN. Als ich das Cover von »Two Faced World« sah, wusste ich, dass ich ihn gerne als Künstler für das Cover unseres Debütalbum haben möchte. Als es dann soweit war, stellte Havi den Kontakt zu ihm her. Markus Vesper war auch spontan begeistert von meinem Coverkonzept und so hat sich diese erfolgreiche Zusammenarbeit ergeben.

Aus welchen Gründen bringt ihr den Silberling selbst raus – und braucht man eigentlich heutzutage unbedingt ein renommiertes Label und was denkst Du über Plattformen wie myspace oder itunes?

Wir bringen unser Album einfach aus dem Grund selbst heraus, da die angebotenen Konditionen der meisten Labels für Newcomerbands sehr einseitig gestaltet und nicht ausreichend sind. Das liegt zum einen daran, dass den Bands seitens der Labels meist nur ein viel zu kleines Budget für Aufnahme, Mix- und Mastering zur Verfügung gestellt wird. Die Band hat dann die Wahl, entweder auf Kosten der Qualität alles in diesem Budget unterzubringen, oder die Bandmitglieder finanzieren den Rest aus eigener Tasche. Viele Bands verschulden sich deshalb sogar. Zum anderen liegen bei dieser Form der Zusammenarbeit jedoch dann sämtliche Rechte an den Aufnahmen bei dem entsprechenden Plattenlabel. Wenn das Label dann z. B. entscheidet die Platte doch nicht herauszubringen, oder einfach nicht zu unterstützen, weil sie an deren Erfolg nicht glaubt, kann die Band nichts dagegen unternehmen. Die Arbeit, die Energie und die Zeit welche die Band in die Aufnahme gesteckt hat, bleiben dabei unberücksichtigt. Ein anderer Aspekt dabei ist, dass die Bands aus den Plattenverkäufen so gut wie nichts erhalten. Die einzige Möglichkeit ist dann mit Liveauftritten wieder etwas hereinzubekommen. Aber auch hier mangelt es seitens der Labels oftmals an Unterstützung, so dass die Bands am Ende auf sich alleine gestellt sind.

Deshalb haben wir bei HEADLESS BEAST einen anderen Weg eingeschlagen. Da wir alle berufstätig sind, war es uns möglich, unabhängig von einem Label die Studioaufnahmen den Mix- und das Mastering zu bezahlen. Auch das Coverartwork konnten wir frei nach unseren Vorstellungen und ohne Einschränkungen verwirklichen. Außerdem liegen sämtliche Rechte an allen Aufnahmen in unserer Hand. Wir können frei darüber bestimmen, was wir damit machen und sind von niemand abhängig. Das Internet bietet heutzutage die Möglichkeit, dass man seine CD auch selbst vermarkten kann.

Insgesamt stützen wir uns dabei auf drei eigene Vertriebsäulen. Den Onlineshop auf unserer Homepage, die Verkäufe auf Livekonzerten sowie den Vertrieb über CD-Händler.

Die Zusammenarbeit mit einem renommierten Label kann sehr hilfreich sein, aber wie gesagt, es kommt immer auf die angebotenen Konditionen an.

Über eine Plattform wie MySpace denke ich, dass viele Bands die Kosten und den Aufwand für eine eigene Homepage scheuen und belassen es bei einer schnell eingerichteten Seite auf MySpace bewenden. Jedoch ist der Nachteil hierbei, dass MySpace in der Hoffnung mehr Einnahmen zu generieren angefangen hat, Werbung zwischen den Audiostreams einzublenden. Diese müssen von den Nutzern gehört werden, da sie sich im Gegensatz zu den anderen Werbeformen nicht wegklicken lassen.

Was iTunes betrifft, kommt es immer darauf an, ob das ganze über einen Downloadprovider läuft oder direkt. Ein Nachteil hierbei ist, dass Bearbeitungsgebühren, GEMA-Gebühren und Bankgebühren den Bands voll in Rechnung gestellt werden. Von dem her lohnt sich solch ein Vertrieb nur, wenn man schon einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Nur über große Verkaufsstückzahlen ist diese Vertriebsform rentabel.

Was muss euch ein Label anbieten, damit ihr dort unterschreibt?

Ein Label müsste uns faire Konditionen anbieten. Da wir die CD komplett selbst finanziert haben, wäre von unserer Seite ein Vertriebsdeal interessant. Sprich, das Label kann ein fertiges Produkt verkaufen und muss sich nur um den Vertrieb kümmern, während wir den Nachschub an CDs gewährleisten. Das Label muss sich nicht mehr mit Sachen wie Produktion und Artwork beschäftigen. Es bekommt ein fertiges Produkt, was es anbieten kann. Zudem kauft es nicht die Katze im Sack, sondern weiß von vorneherein wie wir klingen, wie das Album produziert ist und wie das Artwork aussieht. Mit einem vernünftigen Angebot könnte dabei für Band wie auch Label eine Win-Win Situation entstehen.

Ihr spielt sehr traditionellen Metal, wer hat euch am meisten beeinflusst?

Große Einflüsse auf unsere Musik sind natürlich Bands wie ACCEPT, JUDAS PRIEST und AC/DC. Unser Sänger wurde von Ronnie James Dio und Steve Lee von GOTTHARD sehr stark beeinflusst. Es waren einfach Bands, die rockten. Es gibt viele Acts, die zwar technisch perfekt sind, aber denen das rockende Element fehlt. Dann gibt es aber Bands, die es auf den Punkt bringen und einfach rocken wie Sau. Das sind unsere Einflüsse.

Ihr seid ja auch bereits länger in der Szene, wie kam es zur Gründung von HEADLESS BEAST und was magst Du an der momentanen Metalszene und was nicht?

Als sich 1999 meine alte Band EVIL PRIEST auflöste, lernte ich Markus Haberland (Havi) in Neu-Ulm bei einem Konzert kennen. Er war damals beruflich von Bremen nach Ulm gezogen und hatte vorher bei der Gruppe INFEARIOR in Bremen gesungen. Wir hatten uns von Anfang an gut verstanden und gemeinsame Interessen. Daraufhin haben wir dann zusammen im Jahre 2000 eine neue Band gegründet. Die »BEASTS OF BOURBON«. Kurz darauf ergänzten Martin Schmidt am Bass und Michael Brugger an den Drums die Band. Leider musste Havi Anfang 2003 aus familiären und beruflichen Gründen wieder nach Bremen zurückziehen. Er stieg dann wieder bei seiner alten Gruppe INFEARIOR als Sänger ein. Wir sind aber bis heute sehr gut befreundet. Sein Nachfolger wurde Christian Bohnacker. Anfang 2004 kam es aus namensrechtlichen Gründen zur Umbenennung der Band in HEADLESS BEAST. Unter diesem Namen haben wir dann auch unsere erste EP »Never Too Late« aufgenommen.

Was ich an der momentanen Metalszene mag ist, dass eine neue Generation von Metal begeisterten jungen Leuten herangewachsen ist, die auch den traditionellen Metal, wie er in den 80er Jahren gespielt wurde, wieder neu für sich entdeckt. Zudem habe ich das Gefühl, dass Heavy Metal seit einiger Zeit wieder eine größere gesellschaftliche Akzeptanz erfährt.

Ich erinnere mich noch an die dunklen Jahre Mitte/Ende der 90er Jahre, als der traditionelle Heavy Metal am Boden lag. Damals regierten der Grunge und der Hip-Hop. Zum Glück sind diese Zeiten heute vorbei.

Allerdings sehe ich bei der momentanen Entwicklung der Metalszene auch die Gefahr des Ausverkaufs und des Overkills. Man wird zurzeit überflutet von Neuerscheinungen und Konzerten. Auch gibt es inzwischen viel zu viele Festivals. Der normale Fan wird von einer Flut von Angeboten förmlich erschlagen. Dabei geht das Besondere verloren. Außerdem befindet sich sehr viel Schrott und lauwarme Aufgüsse darunter. Diese werden jedoch oftmals in den höchsten Tönen angepriesen und sorgen dann beim anhören für Ernüchterung. Dies zeigt auch wie stark die Metalszene inzwischen wieder kommerzialisiert ist. Ich glaube auf Dauer wird dies der Szene nicht gut tun.

Wenn Du an die Anfänge mit der Band zurückdenkst, inwieweit habt ihr euch weiter entwickelt, wenn Du dir das aktuelle Album anhörst?

Am deutlichsten ist die Weiterentwicklung der Band im Vergleich zwischen der »Never Too Late« EP und unserem jetzigen Debütalbum »Forced To Kill« zu erkennen.

Bei den Stücken auf »Forced To Kill« haben wir von Anfang an bei den Kompositionen auf mehr Abwechslung bei den Tempi und den Tonarten geachtet. Bei »Never Too Late« geschah mehr oder weniger alles aus dem Bauch heraus. Auch was die Solos betrifft, sind diese auf »Forced To Kill« viel melodischer und eingängiger gestaltet. Zudem haben wir bei den Stücken von »Forced To Kill« auch mehr auf die Texte geachtet und ich habe auch meine ersten Texte selber verfaßt. Unser Bassist Swen hat ebenfalls seinen ersten Text dazu beigesteuert. Die Texte von »Forced To Kill« bewegen sich vom Anspruch und Inhalt auf einem höheren Niveau als auf »Never Too Late«. Dies liegt vor allem auch an der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Jürgen Lugerth, einem Freund der Band, der uns mit seinen Texten sehr unterstützt hat. Jürgen hat auf »Forced To Kill« sieben von zwölf Texten für uns verfasst. Die Zusammenarbeit kam dadurch zustande, dass unser alter Sänger Chris nicht so gerne Texte geschrieben hatte. Jürgen bot an Texte für uns zu schreiben und so entwickelte sich diese Zusammenarbeit.

Am deutlichsten hört man jedoch die Weiterentwicklung beim Gesang. Jürgen Witzler, unser jetziger Sänger, hat eine klare aber dennoch aggressive Metal Stimme, während sein Vorgänger Chris eher über eine rotzrockige Reibeisenstimme verfügte. Dementsprechend ist der Gesang auf »Forced To Kill« auch viel klarer und melodischer ausgefallen. Zudem hat Jürgen tolle Gesangslinien auf dem Album abgeliefert.

Wie oder durch wen wurdest Du früher selbst zum Metalhead?

Wenn Du mich jetzt fragen würdest, was war die »Record of my life« dann würde ich Dir antworten: Von AC/DC Highway to Hell. Als ich im Alter von elf Jahren von AC/DC bei meinem älteren Cousin den Song »Highway to Hell« hörte, war es um mich geschehen.

Speziell als ich das Solo von Angus Young in dem Song hörte, war dies der Anlass für mich Gitarre spielen zu lernen. Vorher hatte ich Klavier gespielt. Ab da wurden die Haare immer länger und die Musik immer härter.

Preist mal bitte eure CD an, warum soll der geneigte Banger eine reguläre CD stehen lassen und »Forced To Kill« bei Euch zu bestellen?

Wenn ihr auf hymnischen und schnörkellosen Heavy Metal mit NwoBHM-Schlagseite steht und zudem schneidende Leadgitarren und galoppierende Bass-Spuren sowie epische Vocals und klassische Arrangements liebt, dann braucht ihr »Forced To Kill«!

Ihr bekommt eine sehr sauber und druckvoll produzierte CD mit 12 neuen Stücken auf der sich keine Lückenfüller befinden. Zudem wurde das Coverartwork von einem namhaften Künstler in Handarbeit als Gemälde gestaltet, ganz in der Tradition der frühen Iron Maiden Cover. Geliefert wird das gute Stück als CD mit 4-farbigen Labelaufdruck zusammen mit einem aufwändig gestalteten 16-seitigen Booklet das Fotos sowie alle Songtexte enthält.

»Forced To Kill« wird euch sicher gefallen!

Wo gibt es die CD überall zu bestellen? Was kostet sie? Habt ihr auch Merchandise?

Die CD »Forced To Kill« erhält man für 13,00 Euro im Shop auf unserer offiziellen Homepage: www.headless-beast.de

Dort kann man auch T-Shirts von uns bestellen. Neue T-Shirts passend zu »Forced to kill«, befinden sich bereits in Vorbereitung und werden demnächst in unserem Shop zu finden sein.. Außerdem kann man die CD auf der Homepage unseres Sängers: http://mistertorture-online.jimdo.com/music sowie auf der Händlerseite: www.rockolli.de bestellen.

Wie sieht es gig-technisch aus – kann man euch öfters »on stage« bewundern und wird es Konzerte zwecks Promotion des neuen Werkes geben?

Natürlich wird man uns auch »on stage« sehen können. Konzerte für dieses Jahr befinden sich bereits in Planung und werden, sobald die Termine stehen, ebenfalls auf unserer Homepage bekannt gegeben.

Um noch mal auf die Produktion zurückzukommen, die CD klingt sehr druckvoll und fett und dennoch nicht so steril und austauschbar wie viele aktuelle Produktionen. Ist das eine Sache auf die ihr Wert legt?

Auf jeden Fall! Es war uns sehr wichtig einen differenzierten und klaren Sound zum erhalten der ordentlich drückt. Es soll ja schließlich nach Heavy Metal klingen. Wir mögen keine Produktionen die steril und nach Plastik klingen. Unser Produzent Vagelis Maranis hat dabei einen fantastischen Job abgeliefert. Sein Mix- und Mastering sind vom Feinsten. Ich kann ihn nur jeder Band weiterempfehlen die Wert auf einen tollen Sound legt.

Irgendwelche Sachen, die du noch loswerden willst oder Worte der Weisheit an unsere werte Leserschaft?

Ja, ich kann euch nur dazu aufrufen: Unterstützt den Underground! Gebt Bands eine Chance, auch wenn Sie keinen Plattenvertrag haben.

Jede Band die ihre Sache selbst in die Hand nimmt verdient Respekt!

Ralf Henn

Quelle: www.ancientspirit.de - HEADLESS BEAST (Mai 2011)

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