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Review »Forced To Kill« bei POWERMETAL.de, 11.01.2011

Tolle Eigenpressung mit klassischem Heavy Metal, die in jeder Hinsicht viele etablierte Produktionen alt aussehen lässt.

In Zeiten, in welchen der traditionell-metallische Markt nach wie vor mit Veröffentlichungen überflutet wird, die man bestenfalls als halbgar bezeichnen kann, weil viele Kapellen am liebsten schon drei Wochen nach Bandgründung ihre CD anbieten möchten, tut es richtig gut, wenn man einem Debütalbum anmerkt, dass es die Zeit hatte zu reifen. So liegt der Fall bei dem Ulmer Quartett von HEADLESS BEAST. Die Band hat schon um die zehn Jahre auf dem Buckel und hat sich bereits Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit gelungenen Auftritten auf dem Emergenza-Festival, sowie mit einer noch recht rohen Demo-EP in der Szene eingeführt. Seither hat sich einiges geändert und allein die Saitenfraktion um Gitarrist Ingo Neuber und Bassist Swen Kuhlang ist von der damaligen Besetzung übrig geblieben, während unter anderem Sänger Chris zu neuen Ufern aufgebrochen ist. Gerade durch die Umbesetzung am Mikro hat die stilistische Ausrichtung der Band sich ordentlich verlagert, denn die Stimme des neuen Sängers Jürgen Witzler klingt doch ganz anders als die seines Vorgängers. Wo Chris' Reibeisenstimme die Band in eine rotzrockige Ecke des klassischen Heavy Metals rückte, da geht die Reise mit Jürgens deutlich klarerer, aber trotzdem ordentlich aggressiver Metalstimme, mehr in Richtung des klassischen Heavy Metals, wie man ihn in Deutschland in den Achtzigern gespielt hat. Dabei macht sich die langjährige Gesangserfahrung mit diversen Coverbands und etlichen Demo- und CD-Produktionen eben bezahlt.

Doch auch darüber hinaus hat sich die Band sehr stark entwickelt und bei der Produktion ihrer Debüt-CD "Forced To Kill" keine Kosten und Mühen gescheut, ein wertiges Produkt als CD-Einstand abzuliefern. Das ins Auge stechende Artwork wurde ebenso wie das Booklet-Design vom norddeutschen Künstler Markus Vesper gestaltet, und ich kann mir gut vorstellen, dass die an "Sleepy Hollow" erinnernde Szene mit dem kopflosen Reiter der Band ein markantes Maskottchen verschaffen könnte. Doch am wichtigsten ist ja die Musik, und auch da ist der Sprung beachtlich, welcher der Truppe seit Demostücken wie 'Born In Darkness' gelungen ist. War seinerzeit noch ein gewisser rumpeliger und räudiger Charme trumpf, so präsentiert sich das kopflose Viech im Jahre 2011 tight und mit gut ausgearbeiteten Hooklines, die auch wirklich im Ohr hängen bleiben. Der Sound ist von Vagelis Maranis in seinem Backnanger Studio sauber und differenziert in Szene gesetzt. Die Gitarre klingt messerscharf und kantig, was beim Opener 'Black Rider' und dem tollen einleitenden Riff zur Mitsinghymne 'Riding With The Deadmen' besonders gut heraus kommt. Bass und Schlagzeug sorgen beim sich um die Verbrechen des Ku-Klux-Klan drehenden 'Burning Cross' für ordentlichen Schub und Jürgens Gesang klingt darüber klar und bei den Screams sehr eindringlich.

War das Oeuvre der CD eher im stampfenden Midtempo gehalten, so zieht die Scheibe mit 'Maniac' beachtlich an und zitiert vor allem in der coolen Bridge ein wenig die speedigen Sachen der NWoBHM. Einen schönen Kontrast hierzu liefert das folgende, mit einem tollen Akustikarrangement eingeleitete 'Dying Day', das mit Einsetzen der Stromgitarren schön heavy wird und sich in eine drückende Midtempo-Hymne entwickelt, die sowohl Freunde klassischen Metals als auch Anhänger des epischen Hardrocks ansprechen dürfte. Der Song ist es auch, bei welchem Jürgens Stimme am meisten glänzen kann. Danach geht es mit dem Uptempo-Stampfer 'Mortal Fear' hackend, rifflastig und mit einem Hauch von JUDAS PRIEST weiter, bevor das noch etwas flottere, aber dafür auch melodischere 'Evil Rules' mit gelungenen Hooklines überzeugen kann. Auch ein wenig Easy Rockin' darf nicht fehlen, was sich in einem leicht sleazigen Song wie 'Forbidden Intention' zeigt. Weitere Highlights finden sich im "creepy" gesungenen und von großartigen Riffs geprägten Titelstück, sowie im Abschlussdoppel mit dem zwischen klassischem NWoBHM-Sound und alten RUNNING WILD stehenden 'Run For Your Life' und der hart rockenden Bandhymne 'Headless Beast'.

HEADLESS BEAST präsentiert sich mit vorliegendem Debütalbum als eine in jeder Hinsicht überzeugende Heavy-Metal-Band, die ich ohne zu zögern in eine Reihe mit Bands vom Schlage der Iren STEEL TORMENTOR stellen würde. Eben eine Band, die nicht darauf aus ist, möglichst schnell und unbedacht die Leute auf sich aufmerksam zu machen, sondern eine Band, welche dem Songmaterial und der Produktion die Zeit gibt, so weit zu reifen, dass ein stimmiges, durchdachtes und angemessen umgesetztes Resultat vorgelegt werden kann. So bekommen die Fans für ihr Geld eben auch einen ansprechenden Gegenwert. Damit sprengt man zwar keine Charts und damit läuft einem auch kein Hype hinterher, so dass ich fürchten muss, dass es die Schwaben leider nicht ganz leicht haben werden, ihre Zielgruppe zu finden. Zu sehr ist der Untergrund im traditionellen Sektor auf 80er-Demo-Rereleases aus den USA und die - nicht selten etwas lauen - Aufgüsse alter Helden fokussiert. Wenn ihr aber ein wenig gegen den Strom schwimmen und euer sauer verdientes Geld in eine Band investieren wollt, die weder von vergangener Glorie zehrt, noch euch mit halbgaren ersten Schritten abspeisen will, dann gebt HEADLESS BEAST eine Chance, denn hier wird euch in jeder Hinsicht Qualität geliefert! Wer also auf klassischen Hardrock, gut gemachten Teutonenstahl und die eine oder andere Verneigung vor der NWoBHM, JUDAS PRIEST oder den SCORPIONS eingeschworen ist, der möge nicht lange zögern und auf der Homepage des Sängers vorbei surfen, wo es zur Zeit sieben kurze Hörproben gibt und die CD für 13,- Euro bestellt werden kann. Auf der oben verlinkten offiziellen Homepage steht in Kürze ein umfangreiches Update an. Bleibt also dran, wir halten euch auf dem Laufenden!

Note: 8.5 / 10

Rüdiger Stehle

Quelle: powermetal.de - Headless Beast - Forced To Kill

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